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Büchertips:

Berlinführer (mit Brandenburg) -  Kunst und Architektur -  Belletristik -  Zeitgeschichte

 

 

Zeitgeschichte

Roy Knocke, Werner Treß (Hg.)
Franz Werfel und der Genozid 
an den Armeniern

De Gruyter; Oldenbourg, 2015.



Franz Werfel fand die Quellen für seinen weltberühmten Roman Die vierzig Tage des Musa Dagh in den Schriften des evangelischen Theologen und engagierten Streiters für die Armenier, Johannes Lepsius, in den Aufzeichnungen des französischen Gesandten Comte Clauzel und im Archiv eines armenischen Klosters in Wien. Seine Anklage bekommt, neben der konkreten Darstellung des Versuchs eines Völkermords an den Armeniern, einen allgemeinen Charakter und richtet sich gegen etwas „weit Entsetzlicheres als zügellose Willkür (…) nämlich machtgestützte Ordnung und ein flächendeckendes planvolles Vorgehen.“ Es ist eine Anklageschrift gegen den europäischen Nationalismus, den sich die Jungtürken zu Eigen gemacht haben und der im Dritten Reich seine heftigste Steigerung erlebte.  
Das Leid von halbverhungerten armenischen Waisenkindern auf einem Damaszener Markt traf den Schriftsteller Franz Werfel 1930 auf einer Nahostreise mit seiner Lebensgefährtin Alma Mahler-Gropius so tief, dass er beschloss dem Völkermord an den Armeniern im späten Osmanischen Reich ein literarisches Mahnmal zu setzen. Der akribisch, wie ein Geschichtswerk, recherchierte Roman erzählt die Geschichte eines 5000-Seelen-Dorfes, dessen Bewohner sich, nur spärlich bewaffnet, auf einem Berg vor den heranrückenden türkischen Truppen verschanzen und drei Angriffswellen abwehren können, bevor ein französisches Kriegsschiff sie aus der tödlichen Umzingelung befreit.
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Wolfgang Benz (Hg.)
Handbuch des Antisemitismus
Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart
Band 7: Literatur, Film, Theater und Kunst

De Gruyter, 2015



Ist Wilhelm Busch ein klassischer Antisemit, sind, wie Golo Mann vorschlägt, nur manche seiner Gedichte und Bildergeschichten ein klein bißchen antisemitisch oder ist er gar einer, der, etwa in Die fromme Helene, den Antisemitismus der deutschen Kleinbürger aufs Korn nimmt? So wie die Werke Buschs sind auch die der Gebrüder Grimm auf dem Prüfstand. Das Märchen Der Jude im Dorn, in dem sich die Grimms unter zwei Varianten – diebischer Mönch und ebensolcher Jude – für die zweite mit den entsprechenden verleumderischen Zuschreibungen entscheiden, ist seit 1815 in allen Ausgaben der Kinder- und Hausmärchen zu finden und wurde erst nach 1945 aussortiert.

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Wolfgang Neskovic (Hg.)

Der CIA Folterreport
Der offizielle Bericht des US-Senats
zum Internierungs- und Verhörprogramm der CIA

Westend Verlag, 2015



„Grausam, unmenschlich und entwürdigend“ nennt Dianne Feinstein, die Vorsitzende des Geheimdienstausschusses des US-Senats, in ihrem Vorwort zu diesem Report die Praktiken des zwischen Ende 2001 und Anfang 2009 angewandten Internierungs- und Verhörprogrammes. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Gefangenen, die sogenannten verschärften Verhörmethoden unterzogen wurden, „nach jeder üblichen Bedeutung des Begriffs gefoltert wurden“.
Die CIA brachte mit der Zerstörung von Videoaufnahmen ihrer Verhöre von Häftlingen im Dezember 2007 die Untersuchungsaktivitäten selbst in Gang, die im März 2009 zur Gründung des Ausschusses führten.
Der vollständige Untersuchungsbericht, der mehr als das Zehnfache dieser hier vorliegenden, immerhin schon gut 600 Seiten starken Zusammenfassung ausmacht, enthält, wieder mit den Worten der Ausschussvorsitzenden, „umfassende, entsetzliche Einzelheiten“.

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Rolf Hosfeld (Hg.)
Johannes Lepsius – Eine deutsche Ausnahme
Der Völkermord an den Armeniern,
Humanitarismus und Menschenrechte

Wallstein Verlag, 2013




Johannes Lepsius (1858-1926) verfasste seinen Bericht über die Lage des armenischen Volkes in der Türkei 1916 und ließ davon „in einem Kraftakt zivilen Ungehorsams“, trotz und wegen der drohenden Zensur im mit der Türkei verbündeten Deutschen Reich, 20 000 Exemplare aus eigenen Mitteln drucken und im ganzen Reich verteilen. Schon nach den ersten Massakern, 1896, hatte der „Missionsdirektor, Theologe und Patriot“, der im anatolischen Urfa eine erste Niederlassung des späteren Lepsius-Hilfswerkes gegründet hatte, mit der evangelischen Amtskirche gebrochen. Frisch zurück aus der Türkei hatte er in einer Artikelserie Die Wahrheit über Armenien ausgebreitet und die Freistellung für sein Armenienengagement gefordert. Als das verweigert wurde, legte er sein Pfarramt nieder
.
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Vera Lourié
Briefe an Dich.
Erinnerungen an das russische Berlin

Schöffling & Co., 2014



Vera Lourié (1901-1998) ist eine der russischen Emigrantinnen und Emigranten, die zu Beginn der 20er Jahre in großer Zahl – man spricht von 300 000 – nach Berlin kamen. Ungleich den meisten von Ihnen, für die Berlin nur Durchgangsstation auf dem Weg nach Paris oder Prag war oder die schließlich in ihre Heimat zurückkehrten, blieb die Dichterin bis zu ihrem Tod im ungeliebten Exil. In einem ihrer Gedichte heißt es: „Auf dem kalten Asphalt von Berlin / kannst du der Sehnsucht nirgends entgehen“.

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Hannah Lotte Lund
Der Berliner "Jüdische Salon" um 1800
Emanzipation in der Debatte




Die von Emanzipationsdiskursen bewegte Zeit zwischen 1770 und 1830 schließt auch die Glanzzeit der Salons ein und legt die Frage nach deren emanzipatorischem Potential nahe. Waren die Salons Orte dieser Diskurse und ihre Gastgeber, die Rahel Levin Varnhagen, Henriette Herz, Sara Meyer Grotthus, Marianne Meyer Eybenberg, deren Autoren?
Waren die Salons sogar die Institutionen „bürgerlicher Verbesserung“ von Juden und Frauen, wie es die unverhältnismäßig große Zahl jüdischer Salonièren vermuten lassen könnte? Und welche Rolle spielten Gäste wie Wilhelm von Humboldt, Friedrich von Gentz oder der schwedische Diplomat Gustav von Brinckmann?
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Anne-Christin Saß
Berliner Luftmenschen
Osteuropäisch-jüdische Migranten
in der Weimarer Republik



Das Berliner Scheunenviertel, im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts noch Elendsquartier und ostjüdisches Ghetto, wird heute gern als romantischer Sehnsuchtsort, als harmonisches, dörfliches Schtetl wahrgenommen. Die Ursachen für diese Sicht liegen in einem Ostjudenkult, der vor fast einem Jahrhundert während des Ersten Weltkriegs aufkam. Danach galt der Ostjude unter seinen Glaubensgenossen als wahrer Repräsentant jüdischer Kultur und Religiosität oder – die Kehrseite – als anpassungsunfähige, hinterweltlerische, geradezu asoziale Gestalt. Unter den Migranten selbst gab es höchst widerstreitende Ansichten darüber, wem das Etikett „Ostjuden“ zukam und welche Bedeutung diese um die Jahrhundertwende im Deutschen Kaiserreich entstandene Fremdzuschreibung nach dem Ersten Weltkrieg noch besaß. Anne-Christin Saß konfrontiert in ihrer faszinierend materialreichen ethnographischen Studie diese Projektionen vom Ostjuden mit den verschiedenen religiösen, kulturellen, politischen und ökonomischen Wirklichkeiten, die die russischen, polnisch-litauischen und galizischen Juden bei ihrer Migration nach Berlin im Gepäck hatten.
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Bernd Sösemann und Gregor Vogt-Spira (Hg.)
Friedrich der Grosse in Europa
Geschichte einer wechselvollen Beziehung

(2 Bände)




Wir kennen Friedrich II. von Preußen, auch Friedrich der Große oder gar liebevoll der „alte Fritz“ genannt, einerseits als großen Kriegsherren und vielleicht wichtigsten Monarchen des 18. Jahrhunderts und andererseits als frankophilen Mäzen von Literatur und Freund klassischer Musik. Ob von Verehrern, die sein 300-jähriges Jubiläum zum Anlass für die Aufzählung seiner „Helden“-Taten nutzen oder von Kritikern, die Rezeption des Preußenkönigs stützt sich zumeist auf die wenig kritische und sehr populäre Befassung im Rahmen einer Politik- und Herrschaftsgeschichte, die den zeitgenössischen höfischen Idealisierungen, Vereinnahmungen oder Polemiken weitgehend folgt. Der Herausgeber und Historiker Bernd Sösemann, spezialisiert auf Kommunikationsgeschichte, lenkt den Fokus auf die mediale Person Friedrich des Großen, dessen politisches Geschick nicht zuletzt in der Nutzbarmachung von öffentlicher Stimmung und der Verwendung gedruckter Medien bestand, die er zum Teil selbst in Form von Berichten und Artikeln beisteuerte.  
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Gerd R. Ueberschär (Hrsg.)
Handbuch zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus und Faschismus in Europa 1933 / 1939 bis 1945





Diktatur und Besatzung und die möglichen Reaktionen von Regierungen und Bevölkerungen zwischen Kollaboration und Widerstand sind das Material aus dem nationale Mythen und Identifikationen entstehen, die in der Geschichtsschreibung entsprechend verklärende und politisch motivierte Darstellungen nach sich ziehen.
Mit der Behandlung des Widerstandes gegen Nationalsozialismus und Faschismus als supranationales, gesamteuropäisches Phänomen vermeidet das internationale Autorenkollektiv dieses Handbuches die tendenziöse nationale Perspektive. Unabhängig davon erweisen sich die Formen des Widerstandes von Land zu Land als höchst unterschiedlich und lassen auf die unterschiedlichen geographisch-politischen Ausgangsbedingungen und eine entsprechend andere Organisation von Besatzung und Durchsetzung der Herrschaft schließen.. 
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Martin Mühlhoff und Christian Vossiek
:
Missing Synagogues:
Sechsundvierzig Ansichten in Berlin.





Die menschenleeren Fotos erstaunen durch ihre Alltäglichkeit. Nicht Ruinen oder Denkmäler, sondern mehrheitlich Reihenhäuser von Neubausiedlungen aus der Nachkriegszeit, Brachland, Park- und Spielplätze füllen die Lücken, die der Holocaust in eine Stadt mit einst reichem, jüdischem Leben gerissen hat. Bildhaft deutlich wird dies an der ehemaligen Synagoge der Gemeinde Adass Jisroel in der Tucholskystraße 40. Die Brandwand des Nachbargebäudes, die auf die immer noch provisorischen Bauten der wieder bestehenden Gemeinde weist, gibt durch Schwärzung des Backsteins die Konturen des einstigen Synagogengiebels zu erkennen.
Im vorangestellten Grußwort des Präsidenten des Zentralrats der Juden zitiert dieser den Ausspruch Heinz Knoblochs: „Misstraut den Grünflächen!“. Beim Durchblättern des Katalogs stellt sich eine Ahnung ein, was damit gemeint sein könnte. . 
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Sibylle Plogstedt:
Knastmauke.
Das Schicksal von politischen Häftlingen der DDR nach der deutschen Wiedervereinigung.




Warum geht es den schätzungsweise 200 000 bis 250 000 ehemaligen politischen Häftlingen der DDR, die mit ihrer Haltung und ihren Taten maßgeblich zum Fall der Mauer beigetragen haben, heute so schlecht, warum ist ihre soziale Stellung so prekär? Das unter den Häftlingen gebräuchliche Wort „Knastmauke“ bezeichnet lautmalerisch und nachfühlsam die Zermürbung, den besonderen psychischen Zustand, der sich nach langer Haft einstellt. Ähnlich wie bei der Unkultur des Wegschauens und Vergessenes nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sieht die Autorin, die aus eigener Hafterfahrung weiß, wovon sie spricht, im Umgang mit den Geschädigten des DDR-Regimes große Versäumnisse. 
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Klaus-Peter Friedrich (Hg.)
Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933 – 1945.
Band 4: Polen. September 1939 – Juli 1941
.



Das auf 16 Bände angelegte Projekt Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933 – 1945 ist eine ausgedehnte Quellenedition. Das vorgestellte Material setzt sich aus Schriftstücken, Briefen, Verordnungen, Augenzeugenberichten, Tagebucheinträgen, Pressemitteilungen, Statistiken der nationalsozialistischen Administration, sowie aus Arztberichten und Todesmeldungen zusammen. Die einzelnen Dokumente sind nach ihrem Entstehungsdatum geordnet. Auf eine inhaltliche Strukturierung der Texte haben die Herausgeber verzichtet, um einen möglichst authentischen Eindruck von der Vielfalt der zeitgenössischen Wahrnehmung zu ermöglichen. 
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Dorothea Zöbl:
Leben am Kurfürstendamm.
100 Jahre Geschichte und Geschichten
um die Mietshäuser Kurfürstendamm 48-50



Kurfürstendamm 48-50a ist ein repräsentativer Eckhauskomplex am neu gestalteten George-Grosz-Platz und
ein würdiger Zeuge zum 125-jährigen Jubiläum des Boulevards. An diesem Häuserblock und seinen Bewohnern
veranschaulicht die Autorin den Wandel des ländlichen Charlottenburger Sträßchens inmitten von Ackergrün hin
zur bürgerlichen Prachtstraße der Reichshauptstadt.
Der Bau entsteht um 1900 unter der Leitung des Architekten und Bauherren Heinrich Munk, der im Geiste der
Gründerzeit den rasant steigenden Bedarf der boomenden Wirtschaftsmetropole an palastähnlichen Wohnungen
für das Großbürgertum und die Aristokratie bediente.
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Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes und Moshe Zimmermann:
Das Amt und die Vergangenheit.
Deutsche Diplomaten im Dritten Reich
und in der Bundesrepublik



Ein ehrender Nachruf auf den verurteilten Kriegsverbrecher Franz Nüßlein, der nach seinem Tod, 2003, in der Mitarbeiterzeitschrift des Auswärtigen Amtes erschien, rief lauten Protest hervor und setzte einer Praxis ein Ende,
die im Auswärtigen Amt seit seiner Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg mehr als 50 Jahre treu gepflegt
wurde. Hätten sich die Grünen sonst kein Verdienst erworben, so wäre allein die Abschaffung dieses beschämenden
Rituals durch ihren Außenminister Joschka Fischer und die Entschleierung der NS-Vergangenheit des Amtes und
der großen personellen und geistigen Kontinuität der Berliner Wilhelmstraße im Auswärtigen Amt der Bundesrepublik,
die in diesem Buch unternommen wird und die von Fischer angestoßen wurde, aller Ehren wert.
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Sabine Gruber und Ulrich Ott (Hg.):
Harry Graf Kessler.
Das Tagebuch 1880-1937
Neunter Band 1926-1937



Mehr als in den vorangegangenen Bänden dieses gewaltigen zeitgeschichtlichen Panoramas bestimmen
in den hier vorgestellten Tagebucheintragungen aus den letzten zehn Lebensjahren zunehmend persönliche
Züge und tragische Erlebnisse des Autors den Text. Der in England, Frankreich und Deutschland aufgewachsene
und erzogene Kessler, der 1879 von Kaiser Wilhelm I. – in dem manche seinen tatsächlichen Vater vermuten –
in den Adelsstand erhoben worden war und der mit großer Begabung auf diplomatischem Parkett, wie in Salons
und Künstlerkreisen brillierte, offenbart zunehmend eine vorher an ihm nicht wahrgenommene Gemütslage, die Einsamkeit.
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Laurenz Demps:
Berlin-Wilhelmstraße.
Eine Topographie preußisch-deutscher Macht



Auf 1000 Metern standen dicht gedrängt Institutionen, Ministerien und Ämter, die die Wilhelmstrasse seit
1871 zum politischen Zentrum des Deutschen Reiches und, wie Downing Street oder den Kremel, zu
einem Synonym für nationale Macht werden ließen. Mit den im Krieg zerbombten oder bei Abrissarbeiten
zerstörten Gebäuden und den groß angelegten Neubauprojekten verlor die Straße ihr herrschaftliches
Gesicht. Das Ausradieren der NS-Physignomie im Stadtbild beendete ein Kapitel Stadtgeschichte, das
bereits Anfang des 18. Jahrhunderts begonnen hatte.
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Rita Unfer Lukoschik (Hg.):
Italiennerinnen und Italiener
am Hofe Friedrich II. (1740-1786)



Bäcker, Köchinnen, Kaufleute Feinmechaniker, Maler, Tischler und für sein Opernhaus die besten
Kräfte von Sängern und Sängerinnen bis zu Bühnenarchitekten, Dekorateuren und Maschinisten.
Auch Gelehrte und Dichter, die, wie Luigi Giuseppe Lagrange und Giovanni Castiglione nacheinander
Direktoren der Mathematischen Klasse der Preußischen Akademie der Wissenschaften wurden, oder
wie Francesco Algarotti, der gleichberechtigt mit Voltaire zu den Gästen an der berühmten Tafelrunde
in Sanssoucis gehörte.
 

Ben Barkow, Raphael Gross, Michael Lenarz (Hg.):
Novemberpogrom 1938.
Die Augenzeugenberichte der
Wiener Library, London



Die Augenzeugenberichte, die unmittelbar nach dem Novemberpogrom 1938 von Alfred Wiener und
seinen Mitarbeitern vom Jewish Central Information Office (JCIO) zusammengetragen wurden und
die sich heute in der nach Wiener benannten Bibliothek in London befinden, werden hier erstmals in
Buchform veröffentlicht. Wiener hatte schon in den frühen 20ern Vorträge gegen den Antisemitismus
gehalten, war Mitgründer des Büro Wilhelmstraße, das sich der Propaganda gegen die Judenhetze
der Nationalsozialisten verschrieb und gründete 1933 mit David Cohen das JCIO in Amsterdam, das
zwischen 1934 und 1940 mehrere Hundert Publikationen herausgab. Der Novemberpogrom von 1938,
als 1400 Synagogen angezündet und zerstört, Juden in aller Öffentlichkeit gedemütigt und verprügelt,
unzählige Wohnungen und Geschäfte ausgeraubt und verwüstet und 91 Menschen in weniger als 24
Stunden ermordet wurden, war das letzte wichtige Ereignis, über das der JCIO aus den Niederlanden
berichten konnte. Im Sommer 1939 brachte Wiener die gesammelten Augenzeugenberichte nach
London.
Auf mehr als 900 Seiten schildern die Berichte die Pogrome, geordnet nach den verschiedenen Regionen Deutschlands, nach Österreich und dem Protektorat Böhmen und Mähren. Eigene Kapitel sind der Lage
in den Konzentrationslagern nach dem November 1938 und den Anstrengungen zur Rettung der jüdischen
Kinder gewidmet.
 

Hans Sahl:
Memoiren eines Moralisten.
Das Exil im Exil



Leider konnte sich Hans Sahl erst spät, 1989, entschließen, mit seiner Frau endgültig nach Deutschland
überzusiedeln. Ein erster Versuch in den 50er Jahren scheiterte. Wie die Mehrzahl der Emigranten wurde
er von der westdeutschen Gesellschaft fast reflexartig zurückgewiesen. Es sind Männer seines Schlages
mit einem von stoischem Wahrheitswillen bestimmten und von Humor und Erotik durchpulsten Leben, die
die deutsche Nachkriegsgeneration in der geistlosen Adenauer-Zeit so schmerzlich vermisst hat.
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Gustav Regler:
Das Ohr des Malchus.
Gustav Regler-Werkausgabe, Band 10



Es gibt Menschen, deren Biographien mit ihrem Wechsel von Schauplätzen und Lebenshaltungen leicht
zwei Leben füllen könnten. Einige ehemalige Kommunisten gehören dazu, Gustav Regler ganz bestimmt.
Der 1898 Geborene nimmt am Ersten Weltkrieg teil, promoviert über Die Ironie im Werk Goethes, heiratet
und wird geschieden, trifft in Worpswede seine Lebensgefährtin Marie Luise Vogeler, wohnt mit ihr im
Roten Block
der Berlin-Wilmersdorfer Künstlerkolonie, tritt in die KPD ein, flieht nach Paris, ...
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Silke Kettelhake:
"Erzähl allen, allen von mir!"
Das schöne kurze Leben
der Libertas Schulze-Boysen



Libertas Viktoria Haas-Heye verbrachte ihre Kindheit auf dem bei Berlin gelegenen Schloss Liebenberg,
einem Landgut ihres Großvaters. Ihre Mutter, Victoria Fürstin zu Eulenburg und Hertefeld war Anhängerin
Rudolf Steiners, der Vater, Otto Ludwig Haas-Heye, Kunstprofessor und ein erfolgreicher Modeschöpfer.
Was an dieser jungen Frau, die als Pressereferentin bei Metro-Goldwyn-Mayer arbeitete, von einem Leben
als Schriftstellerin träumte und 1933 in die NSDAP eintrat, könnte das Interesse einer Biographin wecken?
Ist es der brutale Tod der nur 29-Jährigen unter dem Fallbeil am 22. Dezember 1942 in der Strafanstalt Berlin-Plötzensee?
Die Bekanntschaft und spätere Heirat mit dem Offizier, Publizisten und Widerstandskämpfer Harro Schulze-
Boysen brachte Libertas unvermittelt in Kontakt zu Kreisen des Widerstands, nach denen
die Gestapo und
die Spionageabwehr unter dem Namen Rote Kapelle fahndete
. Nicht wenige der Widerstandskämpfer, die
sie kannten, misstrauten der Schlossprinzessin.
Libertas Verhalten nach ihrer Verhaftung scheint ihnen im Nachhinein recht zu geben. Sie hatte so viele Namen und Verbindungen preisgegeben, dass sie selbst der
Gestapo unglaubwürdig schien. Die Gewissheit des gemeinsamen, unmittelbar bevorstehenden Schicksals 
löschte dann alles Trennende aus, ihre Versuche sich frei zu kaufen, ihren Verrat wie auch ihre Reue darüber.
So konnte sie in Ihrem letzten Brief an die Mutter schreiben:
Erzähl allen, allen von mir. Unser Tod muss ein
Fanal sein.
Mit Libertas Schulze-Boysen starben am gleichen Tag Horst Heilmann, Hans Coppi, Kurt Schulze,
Ilse Stöbe und Elisabeth Schumacher unter dem Fallbeil und Rudolf Scheliha, Harro Schulze-Boysen, Arvid
Harnack, Kurt Schumacher und John Graudenz durch den Strang. Von einem Personenregister würde das
Buch profitieren.

 

Thomas Biskup, Marc Schalenberg (Hg.):
Selling Berlin.
Imagebildung und Stadtmarketing von der
preußischen Residenz bis zur Bundeshauptstadt



Berlin verkaufen? An wen und als was? Einige jüngere Labels, unter denen die Stadt firmierte, sind uns noch
geläufig: die Frontstadt, die Mauerstadt, die Hauptstadt der DDR, die Trümmerstadt, die Welthauptstadt
Germania, das wilde Berlin der 20er Jahre ... Spätestens seit der 750-Jahrfeier sind die Anstrengungen in West
und Ost, die Stadt marktgerecht aufzubereiten, unübersehbar
.  Mehr: ...


 

S. Gehrig, B. Mittler, F. Wemheuer (Hg.):
Kulturrevolution als Vorbild?
Maoismen im deutschsprachigen Raum

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Die 68er, die K-Gruppen, die MLer, die RAF - müssen uns diese Politphänomene der 60er, 70er Jahre
und ihre Beziehungen zu den Ideen Mao Tse-Tungs heute noch interessieren? Immerhin gibt es einige
aktive deutsche Politiker, die ihre ersten politisch-organisatorischen Erfahrungen in K-Gruppen machten,
so Jürgen Trittin im Kommunistischen Bund, Antje Vollmer in der Liga gegen den Imperialismus der KPD
oder Ulla Schmidt, die gegenwärtige Gesundheitsministerin, im Kommunistischen Bund Westdeutschlands.
Und Mao Tse-Tung oder, nach der heute gängigen Umschrift, Mao Zedong, hatte im Unterschied zu den
verknöcherten osteuropäischen Kommunisten mit seinem Ausspruch Rebellion ist gerechtfertigt eine
mächtige Botschaft für Menschen, die Bewegung und Veränderung wollten. Er war sicher eine Kultfigur
auf der politischen Bühne jener Jahre, nach diesem Buch gar eine Popikone der Weltrevolution.
Die Autoren - Historiker, Sinologen und Ethnologen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz - untersuchen Gruppen und Bewegungen in ihrer Beziehung zu den Konzepten und Ideen Mao Zedongs. Linksterroristische Gruppen und maoistische Ideologie und Das Verhältnis der bundesdeutschen K-Gruppen zur RAF am Beispiel
der KPD/ML
sind zwei Aufsätze des Buches, die das Trauma der 68er-Bewegung, die Affinität von Maoismus
und Terrorismus, thematisieren. Ein anderer Beitrag, Die Konjunktur der Mao-Images, widmet sich dem
Selbstbild der Bewegung in den eigenen Medien, der konkret, dem Kursbuch, der agit 883, der Roten Presse Korrespondenz. Angesichts der Beschränkung auf den deutschsprachigen Raum und den im engen Sinn
politischen Teil der Bewegungen bietet das vorgelegte Buch einen nützlichen Diskussionsauftakt, den man
sich auf Westeuropa und die gesamtgesellschaftlichen Wirkungen des Maoismus ausgeweitet wünschen
würde.

 


Werner Treß:
"Wider den undeutschen Geist!"
Bücherverbrennung 1933

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Schandpfähle und Feuersprüche, Fackelzüge und Scheiterhaufen, Professorenboykotte, schwarze Listen
und Bücherbeschlagnahmungen sind das kultisch-rituelle und terroristische Inventar der Aktion "Wider den undeutschen Geist". Ihr Höhepunkt und Abschluss sind die 39, vornehmlich von Studenten in Hochschulorten organisierten Bücherverbrennungen, die in ihrer Mehrzahl zeitgleich am Abend und in der Nacht des 10. Mai
1933 stattfanden. Ungewöhnlich detailreich schildert Werner Treß in seinem Buch, das zur 75. Wiederkehr
dieser Ereignisse in zweiter Auflage erscheint, den Verlauf und die Mittel dieses mit großer Systematik
betriebenen nationalsozialistischen Kulturkampfes; und er stellt die Bedeutung heraus, die der deutschen Studentenschaft als Wegbereiterin des Nationalsozialismus zukam. Zur wichtigen Personalie in diesem
Prozess wird der Jurastudent Baldur von Schirach, der, 1928, von Adolf Hitler zum Reichsführer des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) ernannt wird. Dem späteren Reichsjugendführer gelingt es, den tendenziell proletarisch-antibürgerlichen NSDStB gegenüber den Burschenschaften mit ihrem völkisch-elitären Hintergrund zu öffnen und so die Basis der nationalsozialistischen Bewegung unter den
Studenten zu verbreitern. Besonders aussagekräftig sind die im Anhang des Buches abgedruckten schwarzen
Listen
mit den Namen der indizierten Schriftsteller und Künstler. Sie lieferten die Hinweise auf die zu verbrennenden Werke. Einzelne der Namen sind mit einem Vermerk versehen, etwa mit alles bei Karl Marx und Rosa Luxemburg, oder mit alles außer "Emil" bei Erich Kästner oder mit nur Bilder aus der Großstadt (alles andere von Masereel
bleibt!)
bei Frans Masereel. Es bleibt zu erforschen, ob die Toleranz gegenüber Teilen eines Werkes aus ideologischer Unbedenklichkeit geschah oder aus dem pragmatischen Grund, die großen Lücken, die sich
mit den verbrannten Büchern in den Regalen der Bibliotheken auftaten, mit nationalsozialistisch konformer
Literatur nicht mehr schließen zu können.

 


Friedhelm Greis, Stefanie Oswalt (Hg.):
Aus Teutschland Deutschland machen.
Ein politisches Lesebuch zur "Weltbühne"

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Ab 1913 entfaltet Kurt Tucholsky in den kleinen roten, noch als Schaubühne firmierenden Heften
 
unter fünf Namen, seinem eigenen und vier Pseudonymen, sein schriftstellerisch-journalistisches
 Feuerwerk. Die Absicht war, aus Teutschland Deutschland zu machen und zu zeigen, daß es außer
 Hitler, Hugenberg und dem fischkalten Universitätstypus des Jahres 1930 noch andere Deutsche
 gibt.
Das sind die Töne, die mit Beginn des Ersten Weltkrieges den Wandel von einer dem Theater
 gewidmeten Kulturzeitschrift zu einem politischen, lustvoll polemischen Wochenblatt einläuteten. Ab
 1918 hieß
Die Schaubühne dann Die Weltbühne und war längst das Sprachrohr der unabhängigen
 Linken geworden. Der Friedensnobelpreis für 1935, dem Chefredakteur der Weltbühne, Carl von
 Ossietzky, nach seiner KZ-Haft verliehen, darf als internationale Ermutigung für die um ihr Forum
 gescharten linken Schriftsteller und Publizisten in ihrem Abwehrkampf gelten, den sie dem herauf-
 kommenden Nationalsozialismus lieferten.
 Von mehr als 2500 Autoren, die für die Weltbühne in den 29 Jahren ihres Bestehens, bis März 1933,
 schrieben, sind 79 auf den 540 Seiten dieses Bandes mit ihren Beiträgen und Kurzbiographien
 abgedruckt. In neun, mit illustrierten Einleitungen versehenen Kapiteln enthält die Sammlung neben
 29 Beiträgen von Tucholsky, Artikel von Lion Feuchtwanger, Kurt Hiller, Ernst Toller, Arnold Zweig,
 Alfred Polgar, Erich Kästner, Julius Bab, Arthur Eloesser, Hellmut von Gerlach oder Gabriele Tergit.
 Viele der Weltbühne-Autoren wurden in die Emigration gezwungen, einige, wie Felix Fechenbach,
 Carl von Ossietzky oder Erich Mühsam bezahlten ihr Engagement mit dem Leben. Mit diesem Buch
 kann ein Monument kämpferischer Publizistik besichtigt werden.
 


Holger Stoecker:
Afrikawissenschaften in Berlin von 1919 bis 1945
Zur Geschichte und Topographie eines wissenschaftlichen Netzwerkes.

Diedrich Westermann ist bei weitem das renommierteste der Mitglieder des hier beschriebenen Netzwerkes der Berliner Afrikanisten. Der Sprachwissenschaftler, der fast 50 Jahre lang afrikanische Sprachen lehrte und erforschte, begann 1905 am Berliner Seminar für Orientalische Sprachen zu unterrichten, einer Mischung aus Sprachenschule und Kolonialinstitut. Westermann war Kolonialreformer und, wie der Nationalökonom Moritz Julius Bonn, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Eingeborenenschutz. Doch während Westermann und mit ihm der Großteil der Berliner Afrikanisten den Nationalsozialismus mit seinen kolonialen Ambitionen als Chance wahrnahmen, kritisierte Bonn nicht nur den Gouverneur von Deusch-Südwestafrika wegen seines Vorgehens gegen die Herero, sondern trat schon 1926 mit seiner „Erfindung“, dem Begriff der Dekolonisation, hervor. Die ursprünglich als Dissertation verfasste, gut lesbare Arbeit, referiert die komplexe Institutionen- und Personengeschichte der Berliner Afrikanistik in einer Zeit in der sich die deutsche Afrikanistik - kurioserweise parallel zum Verlust ihrer kolonialgebundenen Weltgeltung - als universitäre Disziplin etablieren konnte. Überraschend und hochinteressant sind die biographischen Splitter von weniger bekannten Akteuren und Randfiguren der Afrikanisten-Szene: des Charlottenburger Richters, Rechtsethnologen und Dozenten für Eingeborenenrecht, Leonhard Adam, von Otto Schulz-Kampfhenkel, einem Nationalsozialisten und selbsternannten Auslandsforscher oder von Benjamin Nnamdi Azikiwe, dem späteren, ersten  Präsidenten des unabhängigen Nigerias, der 1932 von Westermann als Stipendiat des International African Institute abgelehnt worden war.


 


Hartmut Zwahr:
Die erfrorenen Flügel der Schwalbe.
DDR und "Prager Frühling".
Tagebuch einer Krise 1968-1970

11. März 1968: Am Bußtag 1966 erfolgte meine Übernahme, als Kandidat, in die Partei. Es war der letzte Bußtag,
der als offizieller Feiertag begangen wurde
. Der Autor dieser Worte war ein junger Leipziger Historiker, der seinem
Tagebuch zwei Jahre lang auch das anvertraute, was nicht parteikonform war. Im Zentrum dieses ungewöhnlich
dichten Zeitzeugnisses steht das Tschechische Tagebuch, - wie es im Original hieß - das die Zeit zwischen dem
12. Juni und dem 20. August 1968 umfasst. Mit großem Engagement schildert der Tschechisch sprechende, täglich
Rude Pravo
lesende und den tschechoslowakischen Rundfunk hörende Autor, die Ereignisse im Nachbarland und ihre
Wirkung auf die DDR. Deren Soldaten waren Teil der Okkupationstruppen, die Alexander Dubceks Experiment, den
Prager Frühling
, beendeten. Eine großartige Zeitdokumentation, streckenweise mit Reportagecharakter, die auf den
arg pathetischen Titel hätte verzichten können und die durch fast 100 Seiten Anmerkungen, Literaturangaben und
Personenindex zusätzlich bereichert wird.
 


Gerhard Stuby:
Vom "Kronjuristen" zum "Kronzeugen".
Friedrich Wilhelm Gaus: ein Leben im Auswärtigen Amt

Friedrich Wilhelm Gaus, seit 2007 im Auswärtigen Amt und mehr als 20 Jahre Leiter seiner Rechtsabteilung,
galt auch im Ausland als einer der fähigsten Diplomaten des Deutschen Reiches. Mehr als 20 Jahre, bis
1943, war er unter fünf Außenministern, von Gustav Stresemann bis Joachim von Ribbentrop, federführend
an der Abfassung der großen Vertragswerke beteiligt, der Verträge von Rapallo und Locarno, dem Deutsch-
Polnischen Nichtangriffspakt von 1934, wie dem Führererlass über die Errichtung des Reichsprotektorats
Böhmen und Mähren
und dem Hitler-Stalin-Pakt. Was führte den gefeierten Kronjurist des Reiches, den bei
den Nürnberger Prozessen alle Welt auf der Anklagebank erwartet hatte, als Sachverständigen in den
Zeugenstand von Robert M. Kempner, dem Stellvertreter des amerikanischen Chefanklägers im Nürnberger
Hauptkriegsverbrecherprozess und im sogenannten Wilhelmstraßenprozess? War es die Angst, an die Russen
ausgeliefert zu werden oder der Wunsch, sein willenloses Funktionieren als NS-Diplomat wieder gut zu machen?
Stuby schildert auf gut 500 Seiten die erstaunliche Karriere dieses deutschen Juristen im Lichte der Zeitgeschichte.
 


Ulrike Laufer, Hans Ottomeyer:
Gründerzeit 1848-1971.
Industrie & Lebensträume
zwischen Vormärz und Kaiserreich

Thonet, Underberg oder Faber-Castell, der Aufstieg großer Produkt- und Firmennamen, der Wandel
von Handwerksbetrieben zu Industrieunternehmen, die Porträts der Gründer und Industriekapitäne, der
Carl Bechstein, Ernst Litfaß, August Borsig oder Alfred Krupp, auch ihre familiäre Sphäre, ihr Lebensstil,
werden umfassend dokumentiert. Dagegen scheint die Welt der Arbeit - die Lage der Arbeiter, die
Produktionsbedingungen - etwas blass zu bleiben. Das 560-seitige Katalogwerk wurde für die gleichnamige
Ausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin erarbeitet, die bis zum 31. August 08 geöffnet ist.

 


Carl Djerassi:
Vier Juden auf dem Parnass.
Ein Gespräch


Djerassi lädt vier Geistesgrößen des 20. Jahrhunderts, die darüber hinaus auch Juden sind, auf den
erhabenen Gipfel des Parnass, zu einer Art posthumem Klassentreffen oder einem Prosa-Dokudrama, in
dem die vier Männer in einem zärtlichen Verkehr in Dialogform ihre Auftritte haben. Die Protagonisten sind
die Philosophen Walter Benjamin und Theodor W. Adorno, der Religionshistoriker Gershom Sholem und der
Komponist Arnold Schönberg - die Städte Berlin und Wien sind wichtige Bezugsorte. Hinzu kommen die vier
Ehefrauen, ein zwar stummer aber in seinen Bildern überaus präsenter Paul Klee, der Verfasser selbst, der
emeritierter Professor für Chemie, Romanautor und Dramatiker ist und es, wie nicht alle seine Helden, schon
zu einer ihm gewidmeten Briefmarke gebracht hat und die Biochemikerin und Fotografin Gabriele Seethaler,
die die von Paul Klee inspirierten Bildkunstwerke des Bandes beisteuert. Die Dialoge der fünf Szenen beruhen
auf gründlichen Bibliografie- und Archivstudien des Verfassers und legen mit großem Vergnügen die kleinen
Schwächen der großen Männer offen.
 


Ralph Jentsch:
Alfred Flechtheim und George Grosz.
Zwei deutsche Schicksale


Der Maler und sein Galerist, das futuristische Temperament von Berlin und ein Fossil unter den
Kunsthändlern, George Grosz und Alfred Flechtheim sind die freundschaftlich und geschäftlich
verbundenen, tragischen Helden dieser Reportage über den internationalen Kunstmarkt - vor, während
und nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Galerist, nach seinem Beruf eher auf der Sonnenseite des Lebens
zu vermuten, stirbt 1937 völlig verarmt im Londoner Exil, von deutschen Museen in der Nazizeit um sein
Geld betrogen, seine Kunstsammlung zu Nichts zerstoben, seine Erben ohne Anspruch auf Entschädigung.
Der Maler, dessen Werk als entartete Kunst zu großen Teilen zerstört oder über dunkle Kanäle verhökert
wurde, stößt im New Yorker Exil im Museum of Modern Art auf sein berühmtes Porträt von Max Herrmann-
Neisse. Stellt das MoMa Diebesgut aus?  Ralph Jentsch ist Nachlassverwalter von George Grosz und Autor
seines Oeuvre-Katalogs. Seine Recherche nach dem Verbleib der Bilder von Grosz und der Sammlung von
Flechtheim liest sich wie eine Kriminalstory und ist doch alles andere als erfunden und auch noch längst
nicht zu Ende.
 


Hans-Peter Schwarz:
Axel Springer.
Die Biographie


Als der Spingerkonzern 1967 seinen Hauptsitz von Hamburg nach Berlin verlegte mit Axel Springers
Büro im 19. Stockwerk des Hochhauses an der Kochstraße, ahnte noch niemand, dass sein Chef, eine
der Vorzeigegestalten des deutschen Wirtschaftswunders nur Monate später eine der umstrittensten
Persönlichkeiten der Bundesrepublik sein würde. Die Grobheit der journalistischen Studentenbe-
schimpfung
durch die Springerblätter, die  80% des Berliner Zeitungsmarktes beherrschten, nennt auch
sein konservativer Biograph bemerkenswert. Große Teile der aufgeklärten Öffentlichkeit, Schriftsteller,
Künstler, Theologen, Männer wie Heinrich Böll, Günter Grass, Helmut Gollwitzer, Heinrich Albertz oder
Bischof Kurt Scharf bezogen Stellung und brachten das Attentat auf Rudi Dutschke direkt mit den Hass-
tiraden der Springerpresse in Verbindung. Springer und sein Konzern eine öffentliche Gefahr? Der Autor
verweist auf die Seelenverwandtschaft des 1985 gestorbenen Medienmoguls mit Silvio Berlusconi.

 


Irina Liebmann:
Wäre es schön? Es wäre schön!
Mein Vater Rudolf Herrnstadt


Der Mann, der nach dem Zweiten Weltkrieg ein Verlagsunternehmen in Ostberlin aus dem Boden stampfte,
so gross wie Ullstein, natürlich nicht was die Profite anlangt, der nacheinander Chefredakteur der Berliner
Zeitung
und des Neuen Deutschland war, und vor dem Krieg als Korrespondent in Warschau für das
Berliner Tageblatt schrieb, verstand sich als Gast aus der Zukunft. Mitarbeiter wie Egon Bahr und Helmut
Kindler gaben ihm den Laufpass - seine Frustrationstoleranz hingegen schien unerschöpflich. Zeitzeugen
bescheinigen dem sozialistischen Visionär Liebe und Hingabe in der Arbeit, Motivationen, die in der DDR-
Wirklichkeit schon bald fremd klingen. Irina Liebmann setzt mit dieser ungemein spannenden Suche auf den
Spuren ihres Vaters -
allein dieser Titel! - einer ganzen Generation ein Denkmal, deren Gedächtnis weder im
Osten noch im Westen Deutschlands,
noch in ihrer geistigen Heimat, der Sowjetunion, bewahrt wurde.
 


Gerd Koenen und Andres Veiel:
1968. Bildspur eines Jahres



Welche Flut von Bildern, Gesten und Bedeutungen aus dem einen Jahr! Die Bildspur von 68 scheint
nach 40 Jahren besser in die Erinnerungslandschaft zu passen, als alle Bekenntnisse und Beurteilungen,
die sonst noch auf dem Markt sind. Die kommentierten Fotos aus Berlin, Frankfurt, Berkeley, Paris und Prag
belegen eindrucksvoll, dass die Bewegung nicht nur auf der Straße stattfand, sondern auch die politische
Bühne erreichte: Welten und nicht nur zwei Jahre scheinen zwischen dem Bückling Kurt Georg Kiesingers
vor General Franco und dem Kniefall Willy Brandts in Warschau zu liegen. Angesichts derjenigen unter den
knapp 200 Fotos des Bandes, die das Ganze abrunden sollen, - Belmondo, die Stones, Uschi Glas oder
Heintje - fallen natürlich Leerstellen auf, Alexander Dubcek zum Beispiel.
 

Tom Reiss:
Der Orientalist.
Auf den Spuren von Essad Bey 



Die abenteuerlichen Lebenswege des Mannes, der Lev Nussimbaum war, beginnen in der Ölstadt Baku. 
Auf der Flucht vor den Bolschewiken durchreist er den Orient – Turkestan, Persien, den Kaukasus. 
Konstantinopel, die Metropole des osmanischen Reiches gehört wie Berlin, wo er als Essad Bey Orientalistik 
studiert, zu seinen Fluchtpunkten. In Wien kommt 1937 unter dem Pseudonym Kurban Said sein Roman 
Ali und Nino heraus, der ähnlich wie Karl Mays Durchs wilde Kurdistan für die Kurden, ein Schatz der 
aserbaidschanischen Nationalliteratur wird. In Süditalien, wo er 1942 mit nur 36 Jahren stirbt, wird er als 
Der Moslem begraben. Ein Leben, über das man eher einen Roman als eine Biographie schreibt. Der Autor, 
Tom Reiss, nimmt diese Herausforderung an, webt die aufregenden Begegnungen seiner jahrelangen 
Recherche mühelos in das Thema ein und schreibt eine präzise dokumentierte, ohne Ende abenteuerliche 
Lebensgeschichte aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf.

  

Irène Alenfeld:
Warum seid Ihr nicht ausgewandert?
Überleben in Berlin 1933 bis 1945



Auf nahezu 500 Seiten lässt Irène Alenfeld, Kind einer sogenannten Mischehe mit arischer Mutter und 
jüdischem
Vater, das historische Bild einer Familie entstehen, die das Jüdische zugunsten einer deutsch-
evangelischen Identität als längst überwunden wähnte, um dann unsanft im Berlin der Nazizeit aufzuwachen.
Gespeist wird dieses Bild aus einer außergewöhnlich umfangreichen Familienkorrespondenz und aus 
persönlichen Erinnerungen der 1933 geborenen Autorin. Ihre bisweilen zu geringe Distanz gegenüber der
eigenen Familiengeschichte wird durch den Reichtum und die Authentizität der Briefquellen wett gemacht.

  

Roland Thimme:
Rote Fahnen über Potsdam 1933-1989.
Lebenswege und Tagebücher



Eine Regionalstudie, deren Titel Epoche- und Systemübergreifendes in Aussicht stellt? Die die zwei
politischen Religionen, die nationalsozialistische und die realsozialistische auf Gemeinsamkeiten
überprüfen will? Der weitaus bescheidenere Untertitel des Buches weist auf seinen tatsächlichen
Wert hin, auf die drei überlieferten Tagebücher. Es sind Berichte unterschiedlicher Zeitzeugen über
den Potsdamer Raum, die, je kürzer der geschilderte Zeitabschnitt, desto schärfere Wahrnehmungen 
enthalten. Die Aufzeichnungen reichen von 1933 bis 1945, vom 15. März 1945 bis 13. Dezember
1949 und vom 22. März bis Ende Juli 1945.
  

  

Götz Aly, u.a. (Hg.):
Die Verfolgung und Ermordung 
der europäischen Juden durch das
nationalsozialistische Deutschland
1933 - 1945, Band 1



Eine auf 16 Bände angelegte Quellenedition soll die nationalsozialistischen Verbrechen an den Juden
Europas von Norwegen bis nach Nordafrika, von den Niederlanden bis zum Kaukasus dokumentieren.
Sie ist mit einem ersten von fünf, dem Deutschen Reich gewidmeten Bänden gestartet. Daneben wird 
der Schwerpunkt auf Gebieten mit hohem jüdischen Bevölkerungsanteil liegen: Polen, die besetzten 
Teile der Sowjetunion, Ungarn. Der vorliegende Band umfasst 320 Dokumente auf 700 Seiten - Briefe
oder Tagebuchnotizen der Verfolgten, wie auch die Schriftstücke der Verfolger. Nur chronologisch 
geordnet, ergibt sich ein notwendig fragmentarisches, aber gleichzeitig tiefgehendes und vielschichtiges
Bild. Die Edition will wissenschaftliches Nachschlagewerk und Schriftdenkmal für die ermordeten Juden
Europas sein. Der Auftakt ist vielversprechend. 
  

  

Wolfram Pyta:
Hindenburg. 
Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler



Die erstaunliche Selbststilisierung des preußisch-deutschen Offizierspensionärs zu einer historischen 
Figur ist eine Kernthese der mehr als 1100 Seiten starken Biographie. Hindenburg stieg 1914, schon hoch 
in den Sechzigern und militärisch verbraucht, in der rein repräsentativen Rolle eines Oberbefehlshabers zum 
umjubelten Feldherrn und Rächer der 500 Jahre alten Schmach von Tannenberg auf. Die tatsächlichen 
Architekten des deutschen Schlachtenglücks, Erich Ludendorff und Max Hoffmann blieben weitgehend 
unbeachtet. Dem Autor gelingt die packende Darstellung der Karriere Hindenburgs, die sich über drei politische 
Systeme erstreckte und dort endete, wo sie begann. Die Trauerfeier für den Generalfeldmarschall und 
Reichspräsidenten
im Tannenberg-Denkmal kam einer Staffelübergabe an seinen Reichskanzler Adolf Hitler gleich.
  

  

Reinhard Rürup, u.a.:
Schicksale und Karrieren. Gedenkbuch 
für die von den Nationalsozialisten aus der
Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft vertriebenen 
Forscherinnen und Forscher



Der Band enthält die Text- und Fotoporträts von 104 Forschern - mehr als ein Fünftel davon Frauen -, 
die in der Folge des Berufsbeamtengesetzes vom 7. April 1933 aus der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, 
der 1911 gegründeten Vorgängerin der Max-Planck-Gesellschaft, vertrieben worden. Darunter zählen 
der Jurist Bertold Schenk Graf von Stauffenberg, der wie sein bekannterer Bruder im Widerstand
gegen das NS-Regime sein Leben verlor, die österreichische Kernphysikerin Lise Meitner, die nach 
dem Anschluss Österreichs als 100% nichtarisch Deutschland verlassen musste oder Albert Einstein,
der früher als andere das Unheil kommen sah, 1933 von einer Auslandsreise nicht und auch danach
nie mehr in sein Geburtsland zurückkehrte und in seltener Konsequenz alle Ehrungen und Einvernahmen 
aus der Bundesrepublik zurückwies. 

  

Institut f. Umweltgeschichte und Regionalentwicklung e.V.:
Umweltschutz in der DDR.
Analysen und Zeitzeugenberichte
(3 Bände)



Die DDR hat den Umweltschutz nicht erfunden. Dafür spricht auch die große Bedeutung, die 
dieses Thema unter den oppositionellen Gruppen spielte, einschließlich der Evangelischen Kirche. 
In der vorliegenden Bestandsaufnahme machen sich 46 Autoren daran, in 53 Aufsätzen auf mehr 
als 1100 Seiten dieses etwas undifferenzierte Bild zu überprüfen. Die Titel der drei Bände – 
„Politische und umweltrechtliche Rahmenbedingungen“, „Mediale und sektorale Aspekte“ und 
„Beruflicher, ehrenamtlicher und freiwilliger Umweltschutz“ –  stellen weniger eine gesellschafts-
kritische Betrachtung des Themas als eine Auflistung konservativer landschaftspflegerischer
Maßnahmen in Aussicht und sprechen damit eher den Praktiker unter den Umweltschützern an.

  

Jan Philipp Spannuth:
Rückerstattung Ost.



Die an sich unlösbare Aufgabe, Wiedergutmachung für den millionenfachen Mord an den Juden zu 
leisten, hat zwei Namen: Rückerstattung und Entschädigung. Ersteres lehnte die DDR mit Ausnahme 
der Rückerstattung jüdischen Gemeindeeigentums in der Regel mit dem Hinweis auf nutznießende
israelitische Kapitalisten ab. Entschädigt, - das heißt sozial, gesundheitlich und finanziell versorgt - 
wurden Menschen, wenn Sie in einem formalen Verfahren ihre Anerkennung als Opfer des Faschismus 
erlangten. Die vorwiegend politische, weniger juristische Bewertung, ist das Kennzeichen der Rückerstattung 
Ost, so weit man davon sprechen kann. 

  

Willy Brandt:
Verbrecher und andere Deutsche.
Ein Bericht aus Deutschland 1946



Diesen Text schrieb Willy Brandt 1946 als Korrespondent der norwegischen Zeitung Arbeiderbladet
in Deutschland. Der Titel, der heute überrascht, war ursprünglich gedacht, die Mehrheit der Deutschen 
von den in Nürnberg vor Gericht stehenden Nazi-Verbrechern zu unterscheiden, wurde von den 
politischen Gegnern Brandts aber bereitwillig missverstanden und benutzt, um den Emigranten und 
Antinazi
zu verleumden. Das in Skandinavien viel beachtete Buch, das tatsächlich geeignet war, 
Mitgefühl mit dem deutschen Volk im Jahre eins nach dem Ersten Weltkrieg zu wecken, erscheint hier 
erstmals ungekürzt in deutscher Sprache.

  

Jutta Ditfurth:
Ulrike Meinhof.
Die Biographie



Die ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen und unentwegte Linke, Jutta Ditfurth, schreibt im 30. Jahr 
nach dem Deutschen Herbst und nach sechsjähriger Recherche sicher nicht Die Biographie der Ulrike 
Meinhof. Der zeitliche und emotionale Abstand ist dafür zu gering. Aber Ditfurths Korrekturen am Bild, das
Politik und Medien von der RAF-Gründerin gezeichnet haben, sind essentiell, auch für das Verständnis der 
bundesrepublikanischen Gesellschaft. Aufschlussreich ist ein Satz am Ende des ersten Kapitels, der,  in 
einem, den Ausgangspunkt der Autorin und einen wichtigen Beweggrund der linken Gewalttäter der 70er 
Jahre beschreibt: Nach keinem NS-Mörder, nach keinem Kriegsverbrecher war jemals vergleichbar 
intensiv gefahndet worden
, wie nach Ulrike Meinhof. 
  

Jürgen Lillteicher:
Raub, Recht und Restitution.
Die Rückerstattung jüdischen Eigentums
in der frühen Bundesrepublik



Die Sieger hatten das geschlagene Deutschland 1945 gezwungen, die von ihm im eigenen Land
Verfolgten zu rehabilitieren und zu entschädigen. Das war ein Novum in der Geschichte. Konnte 
diese erzwungene Rückerstattung in einen kollektiven Lernprozess münden, in dessen Verlauf die 
NS-Verfolgungspolitik mehr und mehr als Unrecht erkannt würde? Lag das Unrecht beim NS-Staat 
oder bei dem individuellen Nazi-Profiteur? Wie verhielten sich Beamte oder Richter, die gestern selbst
die Enteignungen verfügt hatten, gegenüber Restitutionsansprüchen? Was sind Judengeschädigte?
Jürgen Lillteicher bietet auf 560 Seiten nicht nur eine Bilanz der Rückerstattung jüdischen Eigentums 
im Nachkriegsdeutschland, sondern öffnet im Spiegel der juristischen Auseinandersetzungen auch den 
Blick auf die politische Geisteshaltung in der jungen Bundesrepublik. 
  

Matthias Braun:
Kulturinsel und Machtinstrument.
Die Akademie der Künste, die
Partei und die Staatssicherheit



Vom Dichter Arnold Zweig bis zum Dichter und Theatermann Heiner Müller reicht die Reihe der sieben
Männer an der Spitze der Ostberliner Akademie der Künste zwischen 1950 und 1993. Die Institution und 
ihre Mitglieder waren, wie der Dokumentarfilmer Gerhard Scheumann formulierte, sowohl Rebell als
auch Repräsentant
. Diesem Doppelcharakter wird die vorliegende, bisweilen etwas aktenlastige Studie 
nicht immer gerecht. Wenn etwa Christa Wolf dem Akademie-Präsidenten Konrad Wolf eine ungeheure
Unruhe über die Entwicklung in der DDR
bescheinigt, die der Autor als in den überlieferten Akten nicht
sichtbar
abtut, so ist der Leser vermutlich geneigt, dem lebendigeren Zeitzeugnis der Dichterin zu folgen.
    
  

Susanne Foellmer:
Valeska Gert.
Fragmente einer Avantgardistin in
Tanz und Schauspiel der 1920er Jahre



Die Ausdruckstänzerin und Schauspielerin Valeska Gert gehört zum irritierendsten und provozierendsten,
was die in dieser Hinsicht nicht gerade arme Zeit vor 1933 zu bieten hatte. Die vorliegende Arbeit sucht
nach Beziehungen oder Verortungen ihrer Kunst in der umgebenden Kulturszene: zum Expressionismus, 
zu Walter Benjamin, zum epischen Theater Bertolt Brechts. Auch Antonin Artaud und das Arme Theater
Jerzy Grotowskis, wie die aktuelle Fotokunst Cindy Shermans bieten solche Beziehungspunkte. Ein mittlerer 
Schatz für sich ist die dem Buch beiliegende CD-ROM mit Tanzfilmfragmenten Gerts.
    
  

Dominique Bourel:
Moses Mendelssohn.
Begründer des modernen Judentums.
Eine Biographie



Für seine 2004 auf Französisch und jetzt auf Deutsch erschienene Biographie Moses Mendelssohns 
wurde Dominique Bourel 2005 mit dem deutsch-französischen Parlamentspreis ausgezeichnet. Fein 
zeichnet er Mendelssohns Lernjahre in Dessau, seinen Umzug ins Berlin Friedrichs II, das Gewebe der 
Beziehungen zu den Denkern seiner Zeit. Über 600 Seiten vermag er es, den Leser mit der Geschichte 
des Sohnes eines einfachen Thoraschreibers zu fesseln, des Mannes, dem Gotthold Ephraim Lessing mit 
seinem „Nathan der Weise“ ein Denkmal setzte. Mendelssohns „Phädon“, dem meistgelesensten Werk der 
deutschen Aufklärung, widmet Bourel ein ganzes Kapitel und „belegt damit die Verwandlung des 'Mosche 
Dessau’ in den deutschen Platon und den Sokrates von Berlin“. Ein Schatz für sich ist der 200-seitige Anhang 
des Buches mit Anmerkungen, Quellen-Nachweis, Bibliographie und Personenindex.

Knud Andresen:
Widerspruch als Lebensprinzip.
Der undogmatische Sozialist 
Heinz Brandt (1909-1986)



Der unbequeme und einzelgängerische Querdenker Heinz Brandt war von seiner Jugend an 
in den großen Organisationen der deutschen Arbeiterbewegung engagiert, der KPD, der SED, 
der SPD und der IG Metall. Er war kein Politiker, sondern ein utopiegläubiger Sozialist mit einer 
dreifach deutschen Biographie: Zuchthaus und KZ im Nationalsozialismus, Gefängnishaft in der 
DDR und Kämpfe mit den Gewerkschaften und in der Anti-AKW-Bewegung in der BRD. Das
Buch erinnert an eine eigenwillige Gestalt und einen außergewöhnlichen Zeitzeugen der deutschen
Geschichte.


Misha Aster:
"Das Reichsorchester".
Die Berliner Philharmoniker
und der Nationalsozialismus.



Vom Propagandaauftrag der reichsbeamteten Philharmoniker und ihres Chefs, Wilhelm Furtwängler, 
vom Gerangel zwischen Goebbels und Göring, die sich beide zu Förderern und Herren der klassischen
Musik berufen fühlten, und von der erstaunlichen Beflissenheit deutscher Musiker, im nationalsozialistischen 
Konzert den Ton zu halten, handelt diese Untersuchung. Dem jungen kanadischen Autor, Opernregisseur 
und Historiker ist es gelungen, sowohl die engere Welt der Philharmoniker wie die Öffentlichkeit für diesen 
zwölf Jahre dauernden Teil in der 125-jährigen Geschichte des noblen Klangkörpers aufzuwecken und zu 
sensibilisieren. Der Soziologe Wolf Lepenies hat dazu ein Vorwort verfasst.

Wolfgang Girnus (Hg.):
Sozialistischer Weltbüger und Enzyklopädist.
Mosaiksteine zu Jürgen Kuczynski



Das schmale Bändchen erscheint zum 10. Todestag des Nestors der DDR-Wirtschaftswissenschaften,
der sich selbst durchaus in Reichweite des Nobelpreises wähnte. Freunde, Kollegen und Schüler von
Jürgen Kuczynski haben anlässlich eines Symposiums 2004 versucht zu ergründen, wie und wer der 
populärste Gelehrte der DDR gewesen ist. Die sechs Beiträge sind mit einigen Ergänzungen in diesem
Buch versammelt. 

Thomas Friedrich:
Die missbrauchte Hauptstadt.
Hitler und Berlin



Der vielfach geäußerten Ansicht, Hitlers Verhältnis zu Berlin sei negativ gewesen, stellt der Autor eine
historisch wechselnde, im wesentlichen instrumentelle Haltung Hitlers zu seiner späteren Hauptstadt
entgegen. So habe er die Stadt als Noch-Nicht-Politiker gemocht, ja von ihr geschwärmt, sie im Zuge des
Parteiaufbaus als Finanzressource, Kontaktbörse oder Ort für Verschwörungen betrachtet und sich so
zwischen 1916 und dem Machtantritt sehr variabel, von funktionalen Überlegungen der Zeit bestimmt
zu Berlin verhalten.

Wolfgang Leonhard:
Meine Geschichte der DDR



Mehr als 50 Jahre nach seiner Abrechnung mit Ulbricht und dem Stalinismus in Die Revolution entlässt
ihre Kinder
legt Wolfgang, eigentlich Wolodja, Leonhard seine Geschichte der DDR vor. Der Autor war
Kind kommunistischer Eltern, in Moskau exiliert, Mitglied der Gruppe Ulbricht, Dozent an der SED-Partei-
hochschule und lehrte als Professor bis 1987 mehr als 20 Jahre Geschichte des Kommunismus in den 
USA. Vor dem Hintergrund dieser Biographie ist das letzte Kapitel des Buches und das Bedauern Leonhards
bemerkenswert, dass es in Deutschland keinen Desmond Tutu und keine Wahrheitskommission gegeben 
habe, die das Aburteilen der DDR und das erneute Überrollen des Volkes hätte verhindern können.

   

Walter Heynowski:
Der Film meines Lebens.
Zerschossene Jugend



Der Autor bildete zusammen mit dem 1998 gestorbenen Kollegen Gerhard Scheumann das legendäre
Dokumentarfilm-Duo H & S, das für die DDR-Journalistik Weltruhm erlangte. Ihr berühmtester Film, Der 
lachende Mann
mit den Bekenntnissen eines deutschen Söldners im Kongo, löste in der BRD einen 
Skandal aus und durfte lange weder im Kino noch im Fernsehen gezeigt werden. Das Buch liest sich 
mit seinem schnellen, mitreißenden Reportagestil wie die direkte Übersetzung des dokumentarfilmischen
Handwerks ins Literarische. Die mehr als 300 Seiten schildern die ersten 20 Jahre Heynowskis - bis 1948.
Auf die Fortsetzung darf man gespannt sein. 


Thomas Flierl:
Berlin: Perspektiven durch Kultur
Texte und Projekte



Ein Rechenschaftsbericht oder eine Selbstinszenierung? Die Projekte des Autors und ehemaligen 
Kultursenators sind vorwiegend vergangenheitsorientiert, der Umgang mit Denkmalen, dem Stadtschloss 
und anderem staatlichen Bauerbe. Unter dem Strich dokumentieren die Briefe, Reden, Vorträge, Interviews 
und Fotos dennoch präzise eine stadtpolitische Diskussion und ihre ideologischen Verhaftungen. 


Elke-Vera Kotowski, Julius H. Schoeps (Hrsg.):
Magnus Hirschfeld.
Ein Leben im Spannungsfeld von
Wissenschaft, Politik und Gesellschaft



Es geht um den Pionier der Sexualwissenschaft, den jüdischen, homosexuellen Arzt Magnus Hirschfeld.
Der unverbindliche Titel ist vielleicht die einzige Schwäche dieser eindrucksvollen Aufsatzsammlung. Die
neunzehn Beiträge bieten präzise Annäherungen an Hirschfeld und seine Zeit, an die Reform- und 
Emanzipationssehnsüchte der Weimarer Jahre, an bisweilen schrille Lebensentwürfe im Angesicht des
nahenden Nationalsozialismus.


Günter Brakelmann:
Helmuth James von Moltke.
1907-1945. Eine Biographie



Schon die Eltern sind, ungewöhnlich genug für eine schlesische Junkerfamilie, liberale Parteigänger
Stresemanns. Zusammen mit Dr. Peter Graf York von Wartenburg begründete Helmuth James von Moltke
den Widerstandskreis, der später nach dem väterlichen Gut in Kreisau benannt wurde. Der studierte Jurist
mit lebhaftem Interesse für Sozialgeschichte und Sozialismus war ungewöhnlich weltoffen - ein früher 
Europäer und Kosmopolit. Doch selbst in den eigenen Reihen galt er eher als Schöngeist, denn als Mann
der Tat. Pünktlich zum 100. Geburtstag des 1945 in Plötzensee hingerichteten Widerstandsmannes erscheint 
diese neue, große Biographie.


Uwe Schulte-Vahrendorff:
Kolonialheld für Kaiser
und Führer.
General Lettow-Vorbeck



Paul Lettow-Vorbeck, den vielleicht bekanntesten deutschen Kolonialsoldaten, umgab immer der Mythos der 
Ritterlichkeit und der Beliebtheit unter seinen afrikanischen Askaris. Zwei Bundespräsidenten haben diesen
wilhelminischen Geist der Bundeswehr als Leit- und Vorbild empfohlen. Kasernen und Straßen tragen noch 
heute seinen Namen. Der Autor belegt die brutalen Befriedungskampagnen des Generals in Ost- und Südwest-
afrika, seine Beteiligung am Kapp-Putsch, die dienstfertige Haltung gegenüber den Nationalsozialisten und sein
Streiten, noch in den 1950ern, für die Wiedererlangung der Kolonien. Er liefert einen wichtigen Beitrag zur 
Korrektur einer erstaunlich zählebigen Heldenlegende.


Carola Schramm, Jürgen Elsner:
Dichtung und Wahrheit.
Die Legendenbildung um Ernst Busch (2 Bände)
 
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Ein Ausschluss aus der SED in den 50er Jahren und die Enteignung seines Verlages Lied der Zeit sind 
zwei der bekannteren Legenden, die das nicht konfliktfreie Verhältnis Ernst Buschs zu den Herrschenden 
in der DDR illustrieren. Der Versuch der Autoren dieses Legendenhafte herauszuarbeiten, leidet beträchtlich 
unter ihrer gänzlich humorlosen Sprache. Das gilt naturgemäß nicht für den wertvollen zweiten Band, der 
die Dokumente versammelt. Er bietet tiefe und spannend zu lesende Einblicke in den inneren Kreis der Partei- 
und Staatsbürokratie und enthält auch den knappen aber eindrucksvollen Fototeil. Eine CD mit 27 Busch-Liedern 
wird jedem Band beigegeben.  

Götz Aly, Michael Sontheimer:
Fromms.
Wie der jüdische Kondomfabrikant
Julius F. unter die deutschen Räuber fiel.
 
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Das Buch ist mehr als ein Schelmenstreich der Autoren, wie der herrliche Buchtitel suggerieren könnte.
Auch mehr als lohnendes, lehrreiches Material, das als Nebenprodukt bei der Archivarbeit angefallen
wäre. Da die Kondomfabrik keinen Rechtsnachfolger hatte, der, wie im Falle der Volkswagen, Krupp,
Allianz, Daimler-Benz, Deutsche Bank, Degussa, Dresdner Bank, Flick oder Bertelsmann, die Firmenge-
schichte ins rechte Bild gerückt hätte, wäre die Frommssche Unternehmung dem Vergessen anheim
gefallen, wenn Aly und Sontheimer nicht aufgepasst hätten. 

Frank Hörnigk:
Erwin Geschonneck.
Eine deutsche Biografie


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Die Bildbiografie feiert den 100-jährigen Schauspieler, der in Ostpreußen geborenen wurde, schon früh 
nach Berlin kam und seine jungen Jahre im Arbeitermilieu zwischen Invaliden- und Ackerstraße verbrachte. 
Seine Lebenslauf hat bilderbuchhafte Züge: Arbeitersport, Kommunistische Partei, Agitprop-Theater, auch
während seines 6-jährigen Weges durch deutsche KZ's. Er gehörte zur ersten Generation des Berliner
Ensembles
, aber sein wuchtiges Spiel passte wohl nicht recht zum Brechtschen Theater. 1956, im Todes-
jahr Bertolt Brechts verließ er die Bühne und fand sein eigentliches Metier, den Film. Die Darstellung 
antifaschistischer Charaktere und komische Rollen werden seine Sache. 1995/96 drehte er mit Matulla und 
Busch
unter der Regie seines Sohnes Matti Geschonnek seinen letzten großen Film.
 

Christian David:
kinski. Die Biographie

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Einige der Edgar Wallace-Filme und die Filmprojekte mit Werner Herzog machen Klaus Kinski unvergessen.
Unvergessen auch seine Rezitationskunst: Villon, Rimbaud, Oscar Wilde, Majakowskij, Baudelaire, Brecht
Rilke, Nietzsche, die Klassiker, das Neue Testament - viel Seelenverwandtes. Diese erste Biographie 
erscheint erst 15 Jahre nach dem Tod des mit 65 Jahren gestorbenen Künstlers. Sie erinnert auch an die 
kulturelle Ödnis der 50er Jahre, gegen die keiner so wild und unermüdlich anspielte wie Klaus Kinski. Er
rebellierte, als Rebellion noch nicht angesagt war, eine Herkulesarbeit, für die ihm seine Zeitgenossen 
einigen Dank schulden. 

Vadim Glowna:
Der Geschichtenerzähler.
Erinnerungen


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Berlin, wo Vadim Glowna seit mehr als 20 Jahren lebt, spielt in diesen Erinnerungen eine Nebenrolle. 
Die Stadt seiner Kindheit und Jugend ist die weit wichtigere Inspirationsquelle des in der deutschen 
Filmlandschaft auffallend eigenwilligen und einzelgängerischen Schauspielers und Regisseurs. Selbst
in den hübschen Geschichten aus aller Welt, aus Paris und Rom, Beirut, Irland, Georgien oder Tunesien 
meint man immer den Hamburger Klang herauszuhören. 

Hilmar Thate:
Neulich, als ich noch Kind war
Autobiographie

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Jede neue Biographie eines ostdeutschen Schauspielers ist sozusagen naturgemäß auch 
politisch-gesellschaftliche Enthüllungsliteratur, egal aus welcher Richtung man sie betrachtet. Der 
große Brechtsänger und Schauspieler Hilmar Thate, der 1980 mit seiner Frau Angelica Domröse
die DDR verließ, schreibt in seinem 75. Lebensjahr über sein halbes Jahrhundert Theater- und
Filmgeschichte. Seine Sprache ist knapp und pointiert, so auch die Skizzen der großen Weg-
gefährten, der George Tabori, Wolf Kaiser, Helene Weigel oder des bewunderten Ernesto Busch.

Lothar Fischer:
Anita Berber.
Göttin der Nacht 

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Es ist äußerst schwer, an der Ende der goldenen 20er im Alter von 29 Jahren gestorbenen 
Tänzerin unter der zur Schau getragenen Ruchlosigkeit die tatsächliche Persönlichkeit zu
entdecken. Lothar Fischer, der mit seiner Monographie von 1984 über die Künstlerin auch 
den Film Tänze des Lasters von Rosa von Praunheim angestoßen hat, könnte es am ehesten.
Mit Martha Dix, Dinah Nelken, Gret Palucca oder Leni Riefenstahl kannte er viele Zeitzeugen, 
die die Berber noch erlebt hatten. Eine Rebellin, eine frühe Punk-Lady, die ihr wildes Leben
selbst choreographierte? 


Clemens Burrichter, Detlef Nakath, Gerd-Rüdiger Stephan (Hg.):
Deutsche Zeitgeschichte
von 1945 bis 2000

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An dem gut 1300 Seiten starken Handbuch und der mitgelieferten CD-ROM haben 40 ost-
deutsche, westdeutsche und ausländische Wissenschaftler und Publizisten gearbeitet. Nach 
dem einleitenden historischen Überblick bietet das Werk 60 Jahre nach Ende des Zweiten 
Weltkrieges und 15 Jahre nach der staatlichen Einheit eine Zusammenschau der kontroversen 
gesellschaftlichen Entwicklungen in beiden deutschen Staaten. Der umfangreichste Teil des
Bandes widmet sich dem Effekt, den das unterschiedliche Staats- und Gesellschaftsverständnis
auf die Ausbildung der jeweiligen Politikfelder hatte. 


Guntolf Herzberg:
Anpassung und Aufbegehren

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Der Band referiert ein überaus spannendes Kapitel DDR-Geschichte: das halbe Jahr, 
das auf die Geheimrede Chruschtschows im Februar 1956 über den Personenkult folgte, 
und das von  Wissenschaftlern, Schriftstellern und Künstlern als Tauwetter - Periode 
gefeiert und genutzt wurde. Ende 1956 kam die Gegenoffensive der SED. Mit öffentlichen 
Angriffen, Parteiverfahren, Entlassungen, Haft und auch mit erzwungener Flucht wurde 
die Intelligenz der DDR diszipliniert. Ab Mitte 1958 herrschte wieder Ruhe im Land.

Monika Marose:
Unter der Tarnkappe.
Felix Hartlaub. Eine Biographie

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Felix Hartlaub gehört zu der Generation verschollener Künstler, deren Leben und
Werk mühsam aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs herausgelesen werden
muss. Eher zufällig verbrachte er als Historiograph die letzten Kriegsjahre im engsten
Kreis der militärischen und politischen Führung des Dritten Reiches. In dieser Zeit 
entstanden unter der Tarnkappe des rangniederen Soldaten Protokolle des Krieges,
die erst Jahre nach dem Verschwinden Hartlaubs veröffentlicht wurden. Hier liegt
die erste sorgfältige Biographie des Autors vor.


Mark R. Cohen:
Unter Kreuz und Halbmond.
Die Juden im Mittelalter

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Das Urteil ist eindeutig: die Juden waren in der islamischen Welt zwar abhängig und 
untergeordnet, genossen dabei jedoch Sicherheit und bisweilen großen Einfluss. Das 
christliche Mittelalter dagegen begegnete seinen jüdischen Minderheiten dezidiert 
feindlich. Die wertvolle Untersuchung fördert wichtiges historisches Material für die 
Diskussion um die Toleranzfähigkeit der Kulturen zutage.


Manuela Runge, Bernd Lukasch:
Erfinderleben. Die Brüder
Otto und Gustav Lilienthal

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Eng verschränkt waren die Lebenswege der Lilienthalbrüder. Dem Gleichklang ihrer
technischen und sozialen Utopien stehen der Widerstreit von Wagemut und pedantischen
Qualitäten entgegen, der Ikarusgestalt des ersten erfolgreichen Fliegers der Erfinder des
Modellbaukastens - eine überaus spannende Doppelbiographie.

Hannes Heer:
"Hitler war's". Die Befreiung
der Deutschen von ihrer Vergangenheit

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Hitler - und allenfalls ein kleiner Kreis von Hauptkriegsverbrechern - war's. Diese 
Schutzbehauptung vieler Deutscher nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg ist, wie
der Autor zeigt, bis heute populär geblieben. Joachim C. Fest, Bernd Eichinger oder 
Guido Knopp betreiben auf breiter Medienfront die Ausgestaltung dieses Mythos. Heers
Verdienst ist es, die wichtige Gegenrede zu moderieren: Dietrich Bonhoeffer, das Wo wart 
ihr?
oder Was habt ihr gemacht? der 68er, Christa Wolf, Ingeborg Drewitz, Peter Härtling 
und andere Schriftstellerstimmen der 70er und 80er, die Zweifel an dem rechtschaffenen 
Deutschen Kriegshandwerk ...

Wolf Jobst Siedler:
Wider den Strich gedacht

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Das Buch versteht sich als Ehrung zum 80. Geburtstag des großen Berliner Publizisten und
Verlegers, des eleganten Konservativen, der in jeder Art von Zeitgeistigkeit seine Haupt-
gegnerschaft zu finden scheint. Den versammelten Artikeln - der jüngste stammt von 2000, 
der älteste von 1951-, die in Zeitungen wie der Welt, der FAZ, der Süddeutschen oder dem 
Tagespiegel erstveröffentlicht wurden, sind Briefe angefügt, die Siedler an Heinrich Böll, Martin 
Buber, Günther Grass, Albert Speer, Jean Tinguely oder Carl Zuckmayer geschrieben, bzw.
von ihnen bekommen hat.  

Hanns Brodnitz:
Kino intim.
Eine vergessene Biographie

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Diese Autobiographie des einzigen bedeutenden Kinomanagers Berlins vor der NS-Zeit lag 
im Februar 1933 druckfertig im Erich Reiss Verlag. Dann geriet sie in Vergessenheit. Hanns
Brodnitz, von dem es hieß, er habe für jede Filmpremiere sein Kino halb umbauen lassen und
der sich mühte, die Aufführung der Remarque-Verfilmung von Im Westen nichts Neues gegen
die SA-Horden durchzusetzen, wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Heute 
liegt dieses Fundstück unverändert vor, so wie es sein Autor vor 72 Jahren verfasst hat - ein
kleines Wunder.
.    

Barbara Hahn:
Hannah Arendt - Leidenschaften,
Menschen und Bücher

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Das um wechselnd deutsche und englische Zitate komponierte schmale Bändchen offenbart 
erst auf den zweiten Blick seine Lesbarkeit. Die Autorin folgt vornehmlich  dem Denktagebuch 
der großen Philosophin und eröffnet - weit entfernt von einer Einführung weil zu komplex - 
Einblicke in die Denkräume Hannah Arendts und den besonderen Umgang, den sie mit ihr 
vertrauten Menschen pflegte.
.    

Hans-Jürgen Döscher:
Seilschaften. Die verdrängte
Vergangenheit des Auswärtigen Amts

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Joschka Fischers Weigerung, einem verstorbenen Botschafter mit NS-Vergangenheit 
das seit Jahrzehnten übliche ehrende Gedenken auszudrücken und der Ausspruch 
Konrad Adenauers - man schütte kein dreckiges Wasser aus, wenn man kein reines 
habe - beleuchten mit unterschiedlichem Akzent die Realität einer NS-freundlichen Personal-
politik im Auswärtigen Amt. Diese verdienstvolle Untersuchung unterstellt, anders als der 
launige Kommentar des Altkanzlers glauben machen will, dass die Beschäftigung NS-
belasteter Mitarbeiter im Auswärtigen Amt nicht den knappen Personalressourcen 
geschuldet war, sondern mit System betrieben wurde. 
    

Sabine Dramm:
V-Mann Gottes und der Abwehr?
Dietrich Bonhoeffer und der Widerstand

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Diese zweite biographische Arbeit zu Dietrich Bonhoeffer innerhalb kurzer Zeit kratzt
nachdrücklich am ungefüg gewordenen Widerstands-Mythos des Kirchenmannes. Als 
national-konservativ und Mann des Wortes eher als der Tat, der fast zufällig in den 
Widerstandskreis um Hans Oster und Hans von Dohnanyi gerät, beschreibt die Autorin 
den Theologen. Nicht an seiner Diffamierung sondern an der Wiedergewinnung seiner 
realen historischen Gestalt ist ihr gelegen. 


Gisela Schirmer:
DDR und documenta

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Der sparsam schwarzweiß bebilderte Band liefert eine intime Beschreibung der
Annäherungsprozesse zwischen DDR- und westdeutscher Kunst. Sie begannen
mit dem 10. Darmstädter Gespräch, 1968, und kamen knapp zehn Jahre später mit
der 6. documenta richtig in Gang. Neben Willi Sitte, Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer
oder Bernhard Heisig, die in starkem Maße die Staatskunst der DDR repräsentierten,
gerieten zunehmend Außenseiter wie A.R. Penck oder Gerhard Altenbourg ins westliche
Blickfeld.


Ferdinand Schlingensiepen:
Dietrich Bonhoeffer.
1906-1945. Eine Biographie

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Der Theologe war eine der konsequentesten und kompromisslosesten Gestalten des
deutschen Widerstandes und verdient, vom Staub und dem lastenden Vorbildcharakter
befreit zu werden, den pflichtschuldige Routine in deutschen Schulen, Gedenkstätten 
und Kirchen auf ihn gehäuft haben. Den schwierigen Menschen und Geliebten, den
widerständigen Kirchenmann, der auf die Religion pfiff und verantwortungsbewusster 
Zeitgenosse sein wollte, gilt es zu entdecken. Dafür ist diese zweite Biographie nach 
dem monumentalen Werk des Bonhoeffer-Gefährten Eberhard Bethges hilfreich.

Birgit Haustedt:
Die Wilden Jahre in Berlin
Eine Klatsch- und Kulturgeschichte
der Frauen

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Der flotte Spaziergang durch die Frauenmythen der zwanziger und der folgenden Jahre 
schöpft aus dem großen Vorrat an Künstlerinnen- und Kunstgestalten der Zeit. Tänzerinnen, 
Dichterinnen, Sängerinnen, Malerinnen und Schauspielerinnen bevölkern den mit Bildern von 
Jeanne Mammen und Aufnahmen aus dem Fotoalbum illustrierten Band. Das Schlusskapitel mit 
den Kriegs- und Nachkriegsjahren der 13 portraitierten Frauen, darunter Valeska Gert, Else 
Lasker-Schüler, Dora Benjamin oder Leni Riefenstahl würde man sich ausführlicher wünschen.



Felicitas von Aretin:
Die Enkel des 20. Juli 1944

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Als Historikerin mit Widerstandserfahrungen sowohl in der mütterlichen wie in
der väterlichen Familie scheint die Autorin für ihr Unternehmen bestens gerüstet zu
sein. Die Auswahl der Enkel vom sozialdemokratischen bis hin zum militärischen 
Widerstand
, weil es über kommunistische Widerstandskämpfer keine Datei gäbe (!?),
lässt allerdings befürchten, dass die familiäre Betroffenheit dem Handwerk der 
Historikerin im Wege stehen könnte.

Tom Tykwer, Michael Ballhaus:
Das Fliegende Auge.
Michael Ballhaus

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Vierzig Jahre Filmgeschichte verbinden sich mit dem Namen Michael Ballhaus. In  
Deutschland lieh er vor allem Rainer Werner Fassbinder sein  Kameraauge; in den USA
wurde Martin Scorsese sein wichtigster Regiepartner. Zahlreiche Arbeitsfotos 
illustrieren das Gespräch, dass der Regisseur Tom Tykwer mit dem legendären
Kameramann führt.

Margit Kern, Thomas Kirchner, Hubertus Kohle (Hrsg):
Geschichte und Ästhetik
Festschrift für Werner Busch
zum 60. Geburtstag

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Mehr als vierzig Autoren haben ihren Anteil an dieser prachtvollen Festschrift. Was 
man für ein angestaubtes wissenschaftliches Ritual halten könnte, kommt beachtlich 
frisch daher. Dreimal Philipp Otto Runge, dreimal Caspar David Friedrich, auch Daniel 
Chodowiecki und Schinkel, Jason Pollock und Arnulf Rainer sind bedacht. Böcklins 
Mythen
, Autobahnbau und Autodesign und Aspekte der Kabbala im Werk von Max 
Weinberg
- die Tour de force durch die Vielfalt kunstgeschichtlicher Themen macht 
Spaß und ist zudem angenehm sachdienlich illustriert.
 


 

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